Vor kurzem lief er auf 3Sat: Der absolute Klassiker des erotischen japanischen Kinos, Nagisa Oshimas “Im Reich der Sinne”. Im Jahre 1976 gedreht, sorgte er wegen seiner eindeutigen Szenen (man sieht die Geschlechtsteile der Schauspieler in Großaufnahme) bei seinem Erscheinen für einen Eklat. Regisseur Oshima musste das Rohmaterial sogar zum Schnitt nach Frankreich schicken, weil kein japanisches Filmstudio die “heiße Ware” anrühren wollte.
Trotz der pornografischen Szenen ist “Im Reich der Sinne” jedoch kein Porno, sondern echte Filmkunst. Doch was macht den Film dann so skandalös? Nun, zum Teil sicher die Handlung und die Thematik von Sex in Verbindung mit Gewalt und Abhängigkeit: Kichizō (Tatsuya Fuji), der verheiratete Besitzer eines Geisha-Hauses, fängt eine Affäre mit der ehemaligen Prostituierten Sada (Eiko Matsuda) an. Was als leidenschaftlicher Sex beginnt, entwickelt sich jedoch langsam zu einem zerstörerischen Abhängigkeitsverhältnis, aus dem beide keinen Ausweg mehr finden: Sie verbringen etliche Tage nur mit Alkohol und fast ohne Essen in einem winzigen Zimmer und geben sich immer neuen Sex-Experimenten hin, ohne jemals das Haus zu verlassen. Sadas sexuelle Wünsche werden dabei immer extremer und der zunächst dominante Kichizō liefert sich ihr völlig aus, bis Sada ihn schließlich einvernehmlich beim Liebesakt erwürgt. Am Ende entmannt Sada den toten Geliebten und flüchtet mit seinem abgeschnittenen Glied, bis sie von der Polizei aufgegriffen wird.
Das Verstörende an der Geschichte: Der Film beruht, wie schon sein Vorgänger “Die Geschichte der Abe Sada” aus dem Jahre 1975, auf der wahren Lebensgeschichte der Geisha Abe Sada aus dem Jahre 1936. Kein Wunder also, dass der Film bei seiner Veröffentlichung auf der Berlinale zunächst verboten wurde, bevor man seinen künstlerischen Wert erkannt hat – und man ihn heute sogar im Abendprogramm von 3Sat sehen kann.
Obwohl (oder gerade weil) es sich bei “Im Reich der Sinne” also sicher nicht um einen “gewöhnlichen” Erotikfilm handelt, kann ich ihn Euch nur wärmstens empfehlen, denn er führt uns auf brillante Weise die sexuellen Abgründe der Menschen vor Augen.


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am 7.April 2010 um 12:42
Hallo,
(
ich hab den Film auch gesehen, aber leider nur die letzte halbe Stunde da ich mich zufällig reingezappt hatte, ihn aber sofort erkannt habe. Wäre schön gewesen wenn es hier eine Vorankündigung gegeben hätte
War das eigentlich eine fürs Fernsehen kast- bzw. zensierte Version?
Gruß
Theo
am 15.April 2010 um 11:21
Hallo Theo,
leider habe ich deinen Kommentar erst etwas zu spät gesehen – hier aber trotzdem meine Antwort: Nein, die Version von “Im Reich der Sinne”, die kürzlich lief war meines Wissens nach nicht zensiert, da man ja doch allerhand Nahaufnahmen diverser Geschlechtsteile sehen konnte.
Obwohl es sich bei dem Streifen natürlich trotzdem keinesfalls um einen “Porno” im eigentlichen Sinne handelt, sorgte er bei Erscheinen in den 70er Jahren doch für einen regelrechten Skandal.
Damit unsere Leser in Zukunft keinen sehenswerten TV-Erotikfilm mehr verpassen, habe ich mir deinen Beitrag zu Herzen genommen und werde in Zukunft ab und zu die besten Erotik-TV-Tipps hier im Blog posten.
Viele Grüße aus dem wieder sonnigen Flensburg, Anne vom ORION-Blogger-Team
am 23.November 2011 um 12:32
ich liebe japanische Pornofilme, besonders wie die Asia Girls dort schreien