Obwohl wir uns hier im Erotik-Blog logischerweise in erster Linie mit Themen rund um eine lustvoll ausgelebte Sexualität beschäftigen, finde ich es auch wichtig, gelegentlich über ernstere sexuelle Themen zu berichten. Dazu gehört z.B. die Aufklärung über Verhütung und Geschlechtskrankheiten aber auch über verschiedene, teilweise stark tabuisierte sexuelle Ausrichtung. Eine solche Ausrichtung ist die sogenannte Asexualität, die immer noch viel zu selten ernst genommen und anerkannt wird.
Asexuell bedeutet, dass jemand (egal ob Mann oder Frau) keine Lust auf sexuelle Handlungen mit anderen Menschen hat. Nicht gemeint ist damit allerdings ein Zölibat, dem man sich “freiwillig” unterwirft. Anders, als bei der Enthaltsamkeit aus religiösen oder persönlichen Gründen, wird bei der Asexualität nämlich kein vorhandener Sexualtrieb unterdrückt, sondern er existiert erst gar nicht. (Eigentlich das genaue Gegenteil von “Sexsüchtig”.) Auch als Gegenbewegung zu einer “übersexten” Gesellschaft kann man Asexualität nicht sehen, denn schon in der Vergangenheit gab es Menschen, denen jeglicher Sexualtrieb fehlte. Zu den bekanntesten berühmten Vertretern dieses Phänomens gehörte z.B. der Märchenautor Hans Christian Andersen, der seine Lustlosigkeit mit folgendem Satz beschrieb: “Es ist ein Widerwillen gegen diese Dinge in mir, gegen die sich meine Seele so sträubt.”
Das heißt aber noch lange nicht, dass asexuelle Menschen generell kein sexuelles Verlangen hätten oder nicht fähig zu Liebe und Zärtlichkeit wären – sie fühlen sich nur nicht sexuell hingezogen zu anderen Geschlechtspartnern. Die wenigsten Menschen stehen öffentlich zu dieser Neigung, da sie Angst haben als unnormal oder frigide dazustehen.
An dem großen Interesse an asexuellen Internetforen sieht man jedoch, dass es tatsächlich mehr Asexuelle gibt als man annehmen würde: Auf asexuality.org haben sich bis heute schon über 3000 Mitglieder registriert – Tendenz steigend. Da Asexualität bis heute jedoch nicht wirklich als sexuelle Orientierung anerkannt ist, gibt es auch noch keine statistischen Erhebungen zum tatsächlichen Anteil asexueller Menschen an der Bevölkerung. Sicher ist nur, dass es auch bei diesem Phänomen ein breites Spektrum an Abstufungen gibt: Laut der Internetplattform des “Asexual Visibility and Education Network (AVEN)“, kann man grob vier verschiedene Ausprägungen von Asexualität unterscheiden.
1.) Personen, die einen sexuellen Trieb verspüren und vielleicht auch masturbieren, sich aber nicht sexuell zu anderen Personen hingezogen fühlen und keinen partnerschaftlichen Sex praktizieren.
2.) Personen, die sich zwar emotional zu anderen Menschen hingezogen fühlen und auch Liebe und Intimität empfinden können, jedoch keinen sexuellen Trieb und kein Verlangen verspüren, mit dieser Person Sex zu haben. Andere körperliche Zärtlichkeiten und körperliche Nähe sind jedoch nicht ausgeschlossen.
3.) Personen, die einen Sexualtrieb UND emotionale Anziehung zu anderen Personen verspüren, jedoch nicht mit dieser Person schlafen wollen. Soll heißen: Typ-3-Personen masturbieren und können gleichzeitig eine andere Person lieben und mit ihr in einer Partnerschaft leben, können sich aber nicht vorstellen Sex mit ihrem Partner zu haben, denn das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge die nichts miteinander zu tun haben.
4.) Personen, die weder emotionale Liebe noch sexuelle Anziehung zu anderen Personen oder generell einen sexuellen Trieb verspüren. Das heiß aber nicht, dass sie keine tiefen emotionalen Freundschaften zu anderen Menschen empfinden können – sie spüren nur kein Verlangen nach körperlicher Nähe oder romantischer Liebe.
All diese Einteilungen in Kategorien sind natürlich nur ein Versuch, die Bandbreite der Asexualität abzubilden. Ob man sich selbst als asexuell bezeichnet, hängt ganz vom eigenen Empfinden und vom Gefühl ab, tatsächlich anders zu sein als das gesellschaftliche Umfeld. Ihr seht also, dass Asexualität keinesfalls mit Frigidität oder gar mit einer Krankheit gleichzusetzen ist, sondern einfach eine weniger stark ausgeprägte Sexualität beschreibt. Und da heute alles erlaubt ist und jeder so leben können sollte wie er sich am wohlsten fühlt, sollten wir auch asexuelle Menschen – ob bekennend oder nicht - einfach akzeptieren wie sie sind!



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am 2.Dezember 2009 um 16:01
Wir können uns ein Leben ohne Sex nicht vorstellen!