Eine gute Freundin von mir nennt sich bisexuell. Das ist sie nicht erst seit gestern, doch nach einem längeren Gespräch über ihre Gefühle zum männlichen und weiblichen Geschlecht hat mich das Thema doch noch ein wenig beschäftigt. Die Gute hat es damit nämlich gar nicht so einfach. Nein, nicht etwa weil sie die doppelte Auswahl an Liebespartnern hat, sondern weil die Akzeptanz gegenüber Bisexualität laut ihrer Aussage nicht besonders ausgeprägt ist.
Sie fühlt sich oft nicht ernst genommen - einige sagen, das sei nur so eine Phase. Schwule und Lesben haben es da vielleicht tatsächlich ein wenig leichter. Denn entweder ist man hetero- oder homosexuell, das Zwischending wirkt auf viele einfach nur verwirrend. Frauen haben es hierbei aber im ersten Moment immer noch leichter, oder? Wenn eine Frau verkündet, so wie das eine oder andere Mal in der Promiszene geschehen, dass sie sowohl auf Männlein als auch auf Weiblein steht, ist die Freude nicht zuletzt bei Männern groß – dieses Phänomen schreibe ich hier einfach mal dem Kopfkino zu. ![]()
Aber ein Mann, der verkündet, dass er auch auf Männer steht, gilt gleich als schwul, oder? Eine genaue Definition dieses (ohne dass es für Betroffene jetzt abwertend klingen soll) “Zustands” gibt es nicht. Die sexuelle Orientierung wurde jedoch einst im sogenannten “Kinsey-Report” von 1948 zumindest so weit definiert, dass sie auf einer Skala des US-amerikanischen Sexualforschers Alfred Charles Kinsey zur Sprache kommt und beurteilt wird. Die besagte Skala reicht von der Null bis zur Sechs, wobei die Null hier für reine Heterosexualität und die Sechs für reine Homosexualität steht. Die Stufen dazwischen sind sogenannte “Abstufungen der bisexuellen Orientierung”. Was genau man tun muss, um sich in diesen Zwischenstufen einzusortieren, ist aber nicht festgelegt. Es kann der reine Gedanke sein oder auch der erste körperliche Kontakt.
Von meiner Freundin weiß ich jedenfalls, dass sogar ihre Familie ihre sexuelle Orientierung verwirrt – seit 8 Jahren warten sie nun vergeblich auf ihre Entscheidung für eines der beiden Geschlechter. Gerade ihrer Mutter fällt es schwer, mit der Situation umzugehen, schließlich wünscht sie sich eines Tages ein paar Enkelkinder, was etwas komplizierter werden könnte, wenn sie sich nicht auf das männliche Geschlecht festlegt. Doch daran ist meine Freundin gar nicht interessiert. Immer wieder betont sie auch, dass sie sich das ja nicht so ausgesucht hätte.
Keine leichte Situation, denn auch mit der Treue hapert es – und nicht nur bei ihr sei das der Fall, erzählt sie mir. Wenn sie gerade mal einen männlichen Partner hat, ist das Knutschen mit einem Mädel in der Disco für sie als “nicht so wild” einzustufen. Doch den Mann kann es natürlich trotzdem treffen, es lauert ja überall Konkurrenz! Nun wollen wir hier aber nicht alle über einen Kamm scheren – das Klischee bestätigt sich bei ihr und in ihrem Freundeskreis, was aber noch lange nicht bedeutet, dass alle Bisexuellen es mit der Treue nicht so ernst nehmen!
Ob Bisexualität irgendwann in eine hetero- oder homosexuelle Orientierung umschwingt, ist bis jetzt nicht eindeutig geklärt und bestimmt auch ganz individuell.
Einige Wissenschaftler nennen es Orientierungszeit, die früher oder später mit einer Entscheidung für die eine oder andere Richtung endet – andere behaupten das Gegenteil. Z.B. Forscher der University of Utah untersuchten in einer Langzeitstudie, ob es ihnen nicht gelingt, die sexuelle Orientierungszeit-These zu widerlegen. Dazu befragten sie 79 Frauen sage und schreibe 10 Jahre lang. Die Damen waren zu Beginn der Studie zwischen 18 und 25 Jahre alt und bisher haben die Forscher recht. Denn fast alle Frauen blieben, bis zum Abschluss der Untersuchungen, bei ihrer Bisexualität.
Wieder andere behaupten, dass Bisexualität gar nicht existiert. Dieser Mythos sei nur entstanden durch Homosexuelle, die es nicht wagen, sich zu ihrer Sexualität zu bekennen. Der Druck der Gesellschaft soll hier schuld sein, die Menschen trauen sich aus Angst vor Konsequenzen einfach nicht .
Eine Studie aus Kanada aus dem Jahre 2005 führte zu dem Ergebnis, dass Bisexualität, zumindest bei den Herren der Schöpfung, reine Kopfsache ist. Die äußeren Einflüsse, also die Menschen in unserer Umgebung, haben scheinbar großen Einfluss auf uns – bestätigt unter anderem durch die Queer-Theorie, die in den 90′ern entstand und sich um das Thema ”gleichgeschlechtliche Liebe” dreht. Diese Theorie besagt z. B., dass ein Mann nicht als schwul geboren wird, sondern durch soziale und kulturelle Entwicklung zu seiner sexuellen Einstellung findet.
Was immer es auch sein mag – ich glaube an das Sprichwort “Ein bisschen Bi schadet nie”. Man erweitert doch eigentlich nur seinen Horizont und macht eine Menge Erfahrungen.
Am Ende sollte es doch jeder selbst entscheiden, welche sexuelle Orientierung man für sich selbst richtig hält – Hetero- und Homosexuellen redet doch auch niemand dazwischen.
Habt Ihr Erfahrungen auf dem Gebiet? Seid ihr vielleicht selbst bi und mögt uns ein wenig von euren Gedanken dazu berichten? Das Kommentarfeld steht Euch wie immer zur Verfügung.


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