Wie in jedem Jahr hat das britische Literaturmagazin “Literary Review” auch diesen Herbst wieder seinen legendären “Bad Sex in Fiction Award” vergeben. Die 1993 ins Leben gerufene Auszeichnung soll “In ansonsten achtbaren zeitgenössischen Romanen die Aufmerksamkeit auf die kruden, geschmacklosen, oft nachlässig geschriebenen und redundanten sexuellen Passagen in modernen Romanen lenken, um solche künftig zu verhindern”, so Gründer Auberon Waugh.
In diesem Jahr hat es den irischen Autor Rowan Somerville erwischt: Mit den Beschreibung der Sexszenen in seinem zweiten Roman “The Shape of Her” erwies er sich des Preises mehr als würdig, wie die Jury am Montag mitteilte. Auf der Kandidatenlisten standen auch Jonathan Franzen mit “Freiheit” und Christos Tsiolkas mit “The Slap” – doch mit Sätzen, wie den folgenden ließ Somerville seine Konkurrenten weit hinter sich:
- Die Passage, die ihm den Sieg einbrachte: “Wie ein Schmetterlingsforscher, der ein hartschaliges Insekt mit einer dumpfen Anstecknadel festnagelt, bohrte er sich in sie hinein.”
- Auch schön: Die Beschreibung eines weiblichen Körperteils, das “nach oben gewandt war, wie die Nase des lieblichsten Nachttiers, das die Nacht beschnuppert”, oder die einer Romanfigur, die “sich auf ihren Bauch drehte, wie ein Fisch auf einem Schneidebrett”.
Liebe Jury, ich gebe Euch recht: Solche Satzschöpfungen sind vielleicht wahnsinnig einfallsreich, aber einfach nicht – nun ja – sexy. Doch darauf kommt es schließlich an, wenn man eine Sexszene treffend beschreiben möchte – auch als renommierter Nicht-Erotik-Autor. Schließlich gehört dreckiger, direkter, animalischer Sex genau so zum Leben, wie die romantische Liebe – und sollte deshalb auch mit den passenden Worten beschrieben werden können (meiner bescheidenen Meinung nach).
Der Preisträger bewies jedoch Humor und zeigte sich hoch erfreut über die Auszeichnung: Es gäbe schließlich nichts britischeres, als schlechten Sex – und deshalb bedanke er sich recht herzlich im Namen der ganzen Nation. Wir freuen uns auf jeden Fall schon auf den nächsten Award – und vertreiben uns die Zeit bis dahin weiter mit erotischer Literatur.
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