Ich als Kind von waschechten 68ern fühle mich vermutlich mehr hingezogen zur Geschichte und den gesellschaftlichen Umbrüchen der damaligen Zeit, als viele andere junge Menschen in meinem Alter. Und deshalb bin ich auch besonders traurig darüber, dass kürzlich einer der Veteranen der Bewegung gestorben ist: Am Dienstag verstarb der Mitbegründer der legendären Berliner “Kommune 1″ und Weggefährte von Rainer Langhans, Rudi Dutschke, Uschi Obermaier und Co., Fritz Teufel.
Der 1943 geborene “Spaß-Revoluzzer”, wie er sich selber nannte, trug mit seinen verrückten Aktionen und dem “skandalös” freizügigen Leben in der “Kommune 1″ mit dazu bei, die verhärteten und spießigen Gesellschaftsstrukturen der 60er Jahre aufzubrechen – und ebnete damit nicht zuletzt auch Unternehmen wie ORION den Weg hin zu einem freieren Umgang mit der Sexualität. Denn wer könnte sich heute noch vorstellen, Erotikartikel nur unter dem Ladentisch zu kaufen, wie es vor der sexuellen Revolution der 68er im besten Fall möglich war? Auch aus diesem Grund möchte ich Herrn Teufel posthum danken. Zwar waren nicht alle Ideen, die die 68er hatten auch wirklich sinnvoll und umsetzbar – aber der gesellschaftliche Wandel, den sie angestoßen haben, hat uns allen das Leben leichter gemacht.
Teufel, der in seinem Leben insgesamt 8 Jahre (unschuldig) in Haft saß und durch den Satz “Wenn’s denn der Wahrheitsfindung dient!” bekannt wurde, litt seit Jahren an Parkinson und konnte zuletzt nicht einmal mehr in seinen Berufen als FAZ-Autor und Fahrradkurier arbeiten. Er lebte die letzten Jahre relativ veramt und zurückgezogen in einer Pflegeeinrichtung in Berlin, in der er am Dienstag verstarb.



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