Anfang der Woche machte in der französischen Kulturszene ein regelrechter “Kunstskandal” Schlagzeilen, durch den ich auf den umstrittenen japanischen Comic-Künstler Takashi Murakami aufmerksam geworden bin: Er hat jüngst eine Ausstellung mit seinen schrillen Werken im Versailles-Palast eröffnet – und ist dabei auf erboste Proteste der französischen Kunst-Traditionalisten gestoßen. Die sind nämlich der Meinung, dass Murakamis Werke mit ihren verspielten und teilweise ziemlich frivolen Darstellungen nicht in den würdevollen Rahmen dieses Denkmals französischer Geschichte passt.
Doch was genau erhitzt die Gemüter der Kritiker so sehr? Nun, die Werke des wohl erfolgreichsten zeitgenössischen Künstlers seines Landes sind nicht nur bunt und schrill, sondern oft auch ziemlich freizügig und eindeutig: Murakami beschäftigt sich in seinem Werk mit der Otaku-Subkultur. Otaku ist eine speziell japanische Erscheinung, die jedoch in den letzten Jahren auch in den Westen rübergeschwappt ist. Der Begriff steht für Extrem-Fans von Animes und Mangas, die viel Zeit und Geld für ihre Leidenschaft opfern und oft fast keine realen menschlichen Beziehungen mehr pflegen. Murakami nimmt die Symbole und Figuren der Subkultur aus ihrem Zusammenhang und stellt sie, oft mit gesellschaftskritischer Intention, neu zusammen, sodass extrem farbenfrohe aber auch ziemlich verwirrende Skulpturen und Bilder entstehen. Damit mixt der 48-jährige europäische Pop-Art mit asiatischer Manga- und Comic-Kunst auf eine einmalige Weise, die ihn weltweit zu einem gehypten Star und Enfant terrible gemacht haben. Sogar ein Albumcover und das Video zum Lied “Good Morning” des US-Rappers Kanye West hat Murakami gestaltet. (Achtung nicht erotisch!
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Die “versauten” Objekte und Bilder, die den größten Anstoß bei den Anti-Murakami-Demonstranten erregten, sind allerdings gar nicht in der Ausstellung zu sehen: So wurden der berühmte Cowboy, der ein Lasso aus Sperma schwingt oder die vollbusige Manga-Schönheit “Hiropan” im Microbikini bewusst nicht mit nach Versailles gebracht, um dem würdevollen Rahmen gerecht zu werden. Ich zumindest kann die ganze Aufregung nicht verstehen – schließlich ist Frankreich nun wirklich nicht für seine Prüderie, sondern im Gegenteil ebenso für freizügige und “skandalöse” Kunst aller Art bekannt. Und spätestens, seitdem Murakami eine Sonderkollektion für das Luxuslabel Louis Vuitton kreiert hat, die sich wie warme Semmel verkauft, dürfte Murakami doch endgültig ein Teil der französischen Kultur geworden sein.
Wer sich die Werke des Künstlers von zuhause aus ansehen möchte, der kann dies zum Beispiel hier auf der Homepage von Takashi Murakami tun.
Und alle “Otakus” unter Euch finden hier Manga-Erotik-DVDs, Manga-Liebespuppen, sexy Kostüme und vieles mehr.

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