Leopold von Sacher-Masoch schrieb ab Mitte Zwanzig bis zu seinem Tod 80 Romane, mehr als 100 Novellen, wie beispielsweise realistische galizische Bauern- und Judengeschichten.
Darüber hinaus verfasste er Feuilletons, Theaterstücke, Dramen, historische Betrachtungen und versuchte sich als Gründer diverser Zeitschriften.
Der Autor hatte eine besondere Vorliebe für dämonische Frauengestalten, die sich in vielen seiner Werke wieder finden, denen ohnehin eine eher diffuse Sexualität zu Eigen ist. Oft drehen sich seine Beschreibungen immer wieder um die Wonnen durch Erniedrigung.
Viele dieser Werke gerieten in Vergessenheit. Unvergessen hingegen blieb “Die Venus im Pelz”, die sehr deutlich seine Neigung zur Unterwerfung widerspiegelt. In dem Roman verliebt sich der junge Adlige Severin in die Witwe Wanda, welche sich zu einer Affäre bereit erklärt, wenn Severin ihr in allem gehorsam sein will. Wie Sacher-Masoch selbst, schließt auch die Romanfigur einen Vertrag. Severin liefert sich Wanda völlig aus und wird von ihr immer brutaleren Demütigungen unterworfen.
“Die Venus im Pelz” war von ihrem Autor als Teil eines 36 Arbeiten umfassenden Gesamtwerks gedacht, das in sechs Zyklen die verschiedenen Aspekte der menschlichen Existenz ausleuchten sollte. Die anderen 11 fertig gestellten Schriften sind heute weitgehend in Vergessenheit geraten.


“Masochismus ist der Wunsch, einer Person des anderen Geschlechts vollkommen und unbedingt unterworfen zu sein, von dieser Person herrisch behandelt, gedemütigt und selbst misshandelt zu werden.” So beschrieb der Wiener Psychiater Richard von Krafft-Ebing 1893 in seiner Studie “Psychopathia Sexualis” das Phänomen und schuf zugleich einen neuen Begriff. Weiter erörtert er darin die Symptome einer bestimmten, je nach Blickwinkel Perversion oder Krankheit, der er Masochs Namen verlieh. Sowohl Leopold von Sacher-Masoch als auch seine Anhänger wehrten sich gegen diesen Begriff vergebens. So sehr Sacher-Masoch auch dagegen kämpfte, nicht auf diesen Teil seiner Werke reduziert zu werden, so blieb dieses Unterfangen doch erfolglos. Die Bezeichnung setzte sich durch.
Leopold von Sacher-Masoch versuchte zeitlebens, seine bizarren Phantasien auszuleben. Schon von 1861-1865 hatte er seine erste masochistische Beziehung mit einer Frau namens Anna von Kottwitz, die er später in dem Werk „Die geschiedene Frau“ literarisch aufarbeitet.
Nach seiner Tätigkeit als Professor für Geschichte an der Lemberger Universität wandte sich Sacher-Masoch der Schriftstellerei zu. Er verfasste Romane und meist folkloristische Novellen. Neben seinem eigenen Namen schrieb er auch unter den Pseudonymen Charlotte Arand und Zoe von Rodenbach. Die Schriften des Erfolgsautors waren teils als exotische, immer spannende, ja sogar als moralische Lektüre beliebt.
Leopold von Sacher-Masoch, nach dem der Psychologe Richard von Krafft-Ebing den Masochismus benannte, wurde am 27. Januar 1836 in Lemberg, in Galizien, der heutigen Ukraine, in eine Familie geboren, die von Slowenen, Spaniern und Böhmern abstammt. Seine Mutter Charlotte von Masoch war eine polnische Adelige, sein Vater Leopold Sacher war Hofrat und Polizeipräsident von Lemberg, dem heutigen Lwiw oder Lwow. Der kleine Leopold wurde im großbürgerlichen Haushalt stets von Gouvernanten und Dienstboten umsorgt. Auch seine Lust am Leiden führt er später in biographischen Schriften auf seine Kindheit zurück. Als Neunjähriger versteckte er sich im Schrank seiner Tante und beobachtete sie beim Seitensprung. Als die Tante den kleinen Spanner entdeckt, wird sie wütend und züchtigt ihn.