Erinnert Ihr Euch noch an den trashigen Film “Angriff der 20 Meter Frau” aus den frühen 90ern? Darin spielt Daryl Hannah eine Frau, die nach der Laser-Bestrahlung durch ein Ufo zur Riesin anwächst, wenn sie wütend wird – und das passiert oft, seit sie weiß, dass ihr Mann sie betrügt. Sie platzt aus ihren Kleidern und versetzt die Stadt in Angst und Schrecken - bis sie schließlich von der Polizei gestoppt wird. Viele “Eingeweihte” sehen den Film heute als regelrechten Fetisch-Klassiker an, denn genau diese Riesenhaftigkeit von Mrs. Hannah wird von einigen Liebhabern als besonders erregend empfunden. Die Rede ist von Makrophilie – der Vorliebe für extreme und in der Realität meist unmögliche Größenunterschiede zwischen zwei Menschen, bzw. genauer gesagt die Fantasie, sexuelle Handlungen mit einem sehr viel größeren Menschen oder Riesen zu vollführen.
Die Anhänger dieser Leidenschaft sind dabei meist heterosexuelle Männer, die davon träumen, von einer zur Riesengröße angewachsenen Frau (= Giantess) ”benutzt” zu werden, bzw. selbst auf Zwergengröße zusammenzuschrumpfen und eine normal große Frau so aus einer ganz neuen Perspektive zu betrachten: Sie stellen sich beispielsweise vor, als Winzling ganz in die Vagina einer Frau einzusteigen, die Frau mit ihrem ganzen Körper zu befriedigen oder über ihre riesenhaften Brüste zu schlendern. Oft spielen hier auch SM-Phantasien eine Rolle. So wird beispielsweise gar nicht die direkte sexuelle Handlung, sondern vielmehr das “ausgeliefert und hilflos sein” gegenüber dem dominanten Riesen als besonders erregend empfunden.
Bei meiner Recherche im Internet bin ich auf so viel Material zum Thema gestoßen, dass man annehmen kann, dass es ziemlich viele Anhänger dieses speziellen Fetischs gibt. Die Mitglieder solcher Foren lassen sich grob in die oben bereits angedeuteten Gruppen unterscheiden: 1.) “Wachstum”, wobei jemand zum Riesen anwächst und mit der restlichen Welt agiert und 2.) “Schrumpfen” gegenüber der normal großen Frau. Die “kleinen” Partner (fast immer die Männer) stellen sich vor, sich einer riesigen Person gegenüber zu sehen, die ihnen etwas antut – sie beispielsweise wie ein Insekt zertrampelt (= Crushing/ Trampling), in den Mund nimmt/ aufisst, sich auf sie setzt oder in der Hand zerquetscht. Hier steht oft zusätzlich auch der Fuß im Vordergrund, sodass man von einer Mischform aus Makrophilie und Fußfetischismus sprechen kann. Auch das Zertrampeln und Zerstören von Gegenständen (Autos, Häusern etc.) wird von vielen Riesen-Liebhabern als erregend empfunden.
Auffällig ist, dass bei der Makrophilie, die sich oft schon im frühen Kindesalter zeigt und fast ausschließlich bei Jungen entwickelt, häufig die Grenzen zwischen Hetero- und Homosexualität verschwimmen: Auch Männer, die ihr Leben lang und ohne Zwang heterosexuell leben, stellen sich oft männliche Riesen vor, mit denen sie “aktiv werden”. Insgesamt sind die verschiedenen Ausprägungen der Makrophilie jedoch so unglaublich vielfältig, individuell und oft auch mit anderen Paraphilien oder masochistischen Tendenzen vermischt, dass ich hier kaum alle nennen kann. Eins steht aber fest: Durch Filme, Musikvideos und die Popkultur im allgemeinen ist die Makrophilie gesellschaftlich anerkannter und akzeptierter als jemals zuvor. Kein Grund also, sich seiner speziellen Neigung zu schämen, wie es leider immer noch viel zu häufig der Fall ist.
Einen riesigen Nachteil hat diese Leidenschaft jedoch zusätzlich: Die Fantasien – seien sie auch noch so simpel – lassen sich nie auch nur annähernd in der Realität verwirklichen. Die Anhänger behelfen sich daher mit oft wahnsinnig kreativen “Eigenproduktionen”, wie Videos, Fotomontagen, Comics oder Zeichnungen, sowie jedem Fitzelchen von Filmausschnitt oder Werbeclip, in dem eine “Giantess” vorkommt.