Nachdem ich Euch letztens die bizarre Lust an Atemkontrollspielen vorgestellt habe, möchte ich auch mal auf die Risiken dieser ganz speziellen Sex-Technik eingehen.
Ein oft diskutiertes Risiko ist das sogenannte Karotis-Sinus-Syndrom. Es ist gekennzeichnet durch ein kurzzeitiges Aussetzen des Herzschlages und Bewusstlosigkeit. Ausgelöst wird es durch Druck auf die Karotisarterie im Bereich der Gabelung dieses Gefäßes am Hals. Hier sitzen Sensoren, die für den Blutdruck zuständig sind und bei Kompression einen zu hohen Druck melden. In der Folge versucht der Körper den Überdruck zu regulieren, so dass der Blutdruck kurz stark abfällt. Ist die Einwirkung des Drucks von außen beendet, steigt auch der Blutdruck des Opfers wieder. In der Regel erholt sich der Körper also wieder von dem durch den Reflex ausgelösten Vorgang. Jedoch solltet Ihr in einem solchen Fall das Atemkontrollspiel abbrechen und in Zukunft auf Varianten ausweichen, die diesen Knotenpunkt nicht reizen.
Die die Reduktion oder gar Unterbrechung der Atmung kommt es zu einem Sauerstoffmangel im Körper, den rauschartigen Zustand auslöst. Dieser Mangel ist jedoch nicht ganz ungefährlich. Beim Herzen kann er zu Extrasystolen führen, die während des Spiels so gut wie nicht zu erkennen sind. Diese Rhythmusstörung kann jedoch bis hin zu Kammerflimmern, also dem Herzstillstand, führen und ist somit genauso gefährlich wie schwer zu diagnostizieren.
Sauerstoffmangel im Gehirn führt zum einen zu einem leicht euphorischen Zustand und sorgt auch für intensivere Orgasmen. Jedoch ist der Mangel auch hier mit erheblichen Risiken verbunden. Wird die Sauerstoffzufuhr etwa ganz unterbrochen, ist schon nach wenigen Sekunden mit Bewusstlosigkeit, nach spätestens drei Minuten mit irreversiblen Schädigungen des Gehirns zu rechnen, die im schlimmsten Falle sofort oder auch noch Stunden oder Tage später zum Tod führen können. Neben der einmaligen, langen Einwirkung kann auch wiederholter Sauerstoffmangel das Gehirn schädigen. Am anfälligsten ist dabei die Großhirnrinde, da sie den höchsten Sauerstoffbedarf des Organs hat.
Eine indirekte gefährliche Folge der Atemreduktion kann das Einatmen von Erbrochenem sein. Daher dürft Ihr den Partner niemals allein lassen und müsst ihn im Falle des Erbrechens so lagern (stabile Seitenlage), dass das Erbrochene nicht in die Lunge gelangen kann. Hier ist also das aufmerksame Beobachten der Reaktionen des Opfers wie bei allen Kontrollspielen besonders wichtig. Außerdem sollte der Bottom nicht direkt vor dem Sexspiel gegessen haben. Auch von Alkoholgenuss rate ich Euch in diesem Zusammenhang dringend ab!
Je nach Technik der Atemreduktion ist auch der Kehlkopf durch physikalische Einwirkungen gefährdet. Bei ausreichender Krafteinwirkung kann es beispielsweise zu Brüchen des Zungenbeins oder der Schildknorpel am Kehlkopf kommen. Diese sind zwar an sich nicht lebensbedrohlich, erfordern aber einen umgehenden Arztbesuch! Richtig gefährlich wird es, wenn die Verletzungen des Kehlkopfes zu Schwellungen im Bereich der Luftröhre und damit zu Atemnot führen. Dann muss sofort der Notarzt benachrichtigt werden!
Schont also beim Drosseln oder Würgen den Kehlkopf oder spart ihn ganz aus. So beugt Ihr diesen Komplikationen vor.
Dies sind nur einige Risiken. Daneben werden noch einige weitere Probleme sowohl von BDSMern wie auch von Medizinern diskutiert. Dazu gehören der Kreuzigungseffekt, Petechien (geplatzte Äderchen in der Mundschleimhaut und im Augenbereich) und Aneurismen.
Für einige Personen schließen sich Atemreduktionsspiele aufgrund erhöhter Risiken in jedem Fall aus. Dazu gehören Herzkranke, bei denen die oben beschriebenen Komplikationen schneller, häufiger und stärker auftreten können. Auch Asthmatiker sollten auf diese Art Kontrollspiel besser verzichten.
Konsumenten von Drogen sollten im Wirkzeitraum der Drogen ebenfalls Abstand von diesen Lusttechniken nehmen.
Ob Ihr es wirklich ausprobiert, ist natürlich Euch überlassen. Ich möchte Euch aber noch einmal dringend raten, vorher einen Erste-Hilfe-Kurs zu besuchen und Euch außerdem das damit zusammenhängende medizinische Wissen anzueignen, bevor Ihr loslegt.