26. September – Weltverhütungstag

Zum Weltverhütungstag einige Fakten zur Geschichte der Verhütung.

Verhütung heute

Verhütung ungewollter Schwangerschaften ist heute – zumindest in den industrialisierten Ländern – eine Selbstverständlichkeit geworden. Verhütung ist heute möglich, sicher, verfügbar, vielfältig und in einigen Fällen sogar kostenfrei. Es war allerdings nicht immer so. Der entscheidendste revolutionäre Wendepunkt in der Geschichte der Verhütung ungewollter Schwangerschaften war die Entdeckung und die spätere Einführung der ‚Anti-Baby-Pille’, wie sie in der damaligen BRD genannt wurde. Ab 1965 gab es eine deutschdemokratische Version, die sog. ‚Babywunsch-Pille’.

„Verhütung ist heute möglich, sicher, verfügbar, vielfältig und in einigen Fällen sogar kostenfrei. Es war allerdings nicht immer so.“

 

Eine kurze Geschichte der Verhütung

Kodmomvielfalt oder brauchen wir neue Kondome?

Brauchen wir neue Kondome?

Die Geschichte der Verhütung fängt nicht mit der Entwicklung der Pille an, sondern viel früher. Bereits in der Antike kannten die Menschen Mittel und Wege, um die natürliche Geburtsrate unter Kontrolle zu halten: Die Ägypter, die alten Griechen und die Römer kannten sowohl mechanische als auch andere Mittel chemischer Natur zur Verhütung ungewollter Schwangerschaften. Alte Rezepte zur Vorbereitung natürlicher Verhütungsmittel zeigen, dass das Thema Familienplanung bereits in früheren Zeiten wahrscheinlich eine große Rolle gespielt hat. Zu diesen Zeiten war allerdings auch die Kindesaussetzung bzw. die Kindestötung ein übliches und nicht sanktioniertes Verhütungsmittel. Die antiken Römer pflegten bei der Geburt der eigenen Kinder mit dem Daumen nach oben bzw. nach unten zu zeigen – eine Geste, die über die Zukunft des Neugeborenen entschied. Die Mütter hatten sich dem Willen des Vaters zu beugen.

Im Mittelalter wuchs und sammelte sich das Wissen der Hebammen. Diese verfügten über verschiedene Mittel, um ungewollte Schwangerschaften zu verhüten. Dieses alte Frauenwissen wurde leider später zugunsten des wachsenden Wissens der – männlichen – Ärzte und der neuen entstehenden Wissenschaft vertrieben. Hebammen, und damit ihr Wissen, wurden verdrängt.
1912 wurde das erste Latex-Kondom hergestellt. Weitere Verhütungsmittel wurden parallel dazu entdeckt bzw. entwickelt: der Pessar, der Irrigator, der Gräfenbergsche Ring sowie die natürliche Geburtskontroll-Methode von Knaus und Ogino.

„Im Mittelalter wuchs und sammelte sich das Wissen der Hebammen. Diese verfügten über verschiedene Mittel, um ungewollte Schwangerschaften zu verhüten.“

 

Die Antibaby-Pille bzw. die Kindwunsch-Pille

Verursacht die Antibabypille Depressionen

Verursacht die Pille Depressionen?

Der revolutionäre Wendepunkt kommt durch die Entdeckung und Entwicklung der hormonellen Verhütung, die durch Marget Sanger, K.Mc. Cormick, Pincus und Djerassi, Pionier*innen auf diesem Wege, vorangetrieben wurde.

Die erste Pille wurde in den USA zugelassen. Sie dient allerdings vorerst der Behandlung von Menstruationsbeschwerden. ENOVIT hieß das US-amerikanische Produkt, das 1957 in den USA auf den Markt kam. In der BRD wurde sie erst 1961 eingeführt. Als die Pille eingeführt wurde, hatten allerdings lange nicht alle Frauen Zugang dazu. Nur verheirate Frauen, die bereits Kinder hatten und nach einer ausführlichen ärztlichen Besprechung hatten Anspruch darauf. Alle anderen Frauen durften keine Pille bekommen. Couragierte und emanzipierte Ärtz*innen fingen an, die Pille auch für Frauen zu verschreiben, die gesetzlich keinen Anspruch darauf gehabt hätten und verstießen damit gegen das Gesetz.

Die Pille erfährt übrigens von Anfang an widersprüchliche Reaktionen:

  • Positiv und belebend einerseits: Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit kann Sexualität befreit von der Angst ungewollter Schwangerschaften gelebt werden
  • Kritisch auf der anderen Seite: Die plötzliche sexuelle Freiheit, ohne die Angst, schwanger zu werden, bedeutete plötzlich – automatisch? – auch eine ständige sexuelle ,Verfügbarkeit‘ seitens der Frauen, die sich jedoch nicht ebenso automatisch und selbstverständlich einstellen musste bzw. wollte. Ein Diskurs hierüber entfaltete sich in dieser Zeit, in der es zum ersten Mal möglich wurde, sich Gedanken über die eigene sexuelle Lust zu machen.
  • Darüber hinaus hatten viele Frauen zu Recht gesundheitliche Bedenken wegen der Einnahmen damals noch hochdosierter Hormone, die nicht ohne Nebenwirkungen blieben.

„Als die Pille eingeführt wurde hatten längst nicht alle Frauen Zugang dazu. Nur verheirate Frauen, die bereits Kinder hatten und nach einer ausführlichen ärztlichen Besprechung hatten Anspruch darauf.“

 

Abschlussgedanke

Wie bereits am Anfang erwähnt, ist Verhütung – und damit Familienplanung – heute eine Selbstverständlichkeit geworden. Familienplanung ist dadurch:

  • individuell planbar und kein unausweichliches Schicksal mehr
  • beziehungsunabhängig im Gegensatz zu früher, als sie nur in der Ehe erlaubt war
  • von der Religion und vom Staat entkoppelt und säkularisiert
  • planbar und sogar beeinflussbar durch die Fortschritte der Reproduktionsmedizin im Gegensatz zu früheren Zeiten, als es noch verboten und sogar zweifach lebensgefährlich war: aus rein medizinischen sowie gesetzlichen Gründen (Todesstrafe).

Zuallerletzt die noch offene Frage: Warum gibt es noch keine Pille für den Mann?

An der Entwicklung einer „Pille für den Mann“ ist jahrzehntelang gearbeitet worden, ohne dass bisher ein Produkt zur Marktreife gelangte. Ein schwerer Vorwurf wird u.a. von der Berliner Autorin Sabine Kray erhoben: „Was Frauen infolge der Pille seit Jahrzehnten erleiden mussten, würden Wissenschaftler Männern einfach nicht zumuten wollen.“ Anlass für ihre Kritik war der plötzliche und überraschende Abbruch einer Studie der WHO zur hormonellen Verhütung für Männer. Die Begründung: zu starke Nebenwirkungen. Darüber hinaus bleibt auch noch die Vertrauensfrage offen, ob Frauen sich darauf verlassen könnten, dass der Partner die Pille auch tatsächlich einnimmt.

Bildquelle: © stuartbur, © JPC-PROD / fotolia.com, Quellen:

  1. Busch, Ingrid. (2017). Unterlagen zur Verhütung und Familienplanung zum Masterstudiengang Sexologie. Hochschule Merseburg
  2. Familienplanung.de. (2017). Wann kommt die Pille für den Mann?
  3. Köppe, Julia. Pfaffenzeller Martin. (2016). „Pille für den Mann“ – Verhütung bleibt Frauensache.
  4. Simmank, Jakob. (2017). Drücken sich Männer vor der Pille?

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