7 Fakten über Bisexualität

Bisexualität - Symbolfoto

AM 23. SEPTEMBER FEIERN WIR DEN TAG DER BISEXUALITÄT.

Übersicht der Tehmen:

  • Was ist Bisexualität?
  • Was ist der Tag der Bisexualität?
  • Was entdeckte A. C. Kinsey in seinen Untersuchungen?
  • Wie viele Bisexuelle sind unter uns?
  • Wie leben bisexuelle Menschen?
  • Was ist Biphobie?
  • Gibt es bisexuelle Stereotypen?

1) WAS IST BISEXUALITÄT?

Bisexualität ist die dritte große sexuelle Orientierung neben Heterosexualität und Homosexualität. Der Begriff Bisexualität bezeichnet heute die sexuelle Orientierung eines Menschen, der sich sowohl für Frauen als auch für Männer interessiert.
Bisexuell zu sein bedeutet, eine sexuelle und/oder emotionale Anziehung durch innere wie äußere Merkmale beider Geschlechter zu verspüren. Bisexuelle Menschen sind emotional und/oder sexuell durch Menschen beider Geschlechter ansprechbar und können sich dementsprechend emotional und/oder sexuell  sowohl mit einer Frau als auch mit einem Mann einlassen.
Anfang des 20. Jh. wurden Menschen als ,bisexuell‘ bezeichnet, die heute als ,intersexuell‘ definiert werden, also Menschen, dessen Geschlechtsmerkmale nicht eindeutig in die Kategorie männlich oder weiblich einzuordnen sind.
Bereits Sigmund Freud, der Vater der Psychoanalyse, stellte 1915 die These auf, dass der Mensch in seiner Frühentwicklung eine bisexuelle Veranlagung habe, die sich später in eine homo- bzw. heterosexuelle Richtung weiterentwickeln würden. (1)
Judith Butler, die Begründerin der Queer-Theorie und Autorin des Buchs Gender Trouble (1990, auf Deutsch „Das Unbehagen der Geschlechter“) behauptet 2012 in einem Interview  für die ZEIT (2), dass ursprünglich vermutlich eine Disposition zur Bisexualität bestanden habe und es so etwas wie eine heterosexuelle Melancholie gäbe, nämlich die Trauer um die aufgegebene Möglichkeit anderer sexueller Orientierung.

„Bei jedem Menschen gibt es eine Disposition zur Bisexualität. Und es gibt so etwas wie eine heterosexuelle Melancholie, nämlich die Trauer um die aufgegebene Möglichkeit anderer sexueller Orientierung“

 

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2) TAG DER BISEXUALITÄT? WARUM BRAUCHEN WIR EINEN FEIERTAG DAFÜR?

Der 23. September ist seit 1999 der Tag der Bisexualität, seit dem drei bisexuelle Bürgerrechtler, Wendy Curry, Michael Page und Gigi Raven Wilbur in den USA diesen Tag als „Celebrate Bisexuality Day“ ins Leben gerufen haben. Zweck war Aufmerksamkeit auf die Tatsache zu lenken, dass Bisexualität eine eigenständige sexuelle Orientierung ist und nicht, wie oft missverstanden wird, eine verkappte Homosexualität.
Bi Leben NRW (3) gibt folgende Tipps zur Sensibilisierung für mehr Akzeptanz und Wertschätzung bisexueller Menschen:

  • Vermeidung von Vorannahmen sexueller Orientierung bei unserem Gegenüber
  • Vermeidung der Schlussfolgerung, dass unser Gegenüber aufgrund der aktuellen Partnerschaft hetero bzw. homo sei. Bisexuelle Menschen können eben abwechselnd mit einem Gegengeschlechtlichen (und sind deshalb nicht einfach hetero) oder mit einem Gleichgeschlechtlichen (und sind deshalb nicht einfach homo) eine Beziehung eingehen
  • Vermeidung des Vorurteils, dass Bisexuelle unreife beziehungsunfähige Menschen seien, denen es an Mut mangeln würde, sich als Homo zu outen. (4)

3) WAS ENTDECKTE  DER SEXUALWISSENSCHAFTLER A. C. KINSEY IN SEINEN UNTERSUCHUNGEN?

Etwa die Hälfte der Bevölkerung sind zu einem gewissen Grad bisexuell. Das ist das erstaunliche Ergebnis der Studien (5), die Alfred Charles Kinsey, einer der ersten Sexualwissenschaftler in den 50er Jahren in der prüden US-Gesellschaft durchführte. Mit berücksichtigt wurden in dieser Untersuchung sowohl sexuelle Handlungen als auch psychische Reaktionen, die nicht ausgelebt wurden. Demnach ergaben sich zu dem Zeitpunkt der Erhebung folgende Zahlen:

  • 46% der Männer hatten hetero- sowie homosexuelle Erfahrungen und reagierten auf beide Geschlechter sexuell
  • 60% der vorpubertären männlichen Kinder hatten sich auf homosexuelle Handlungen eingelassen
  • bis zu 95% der Bevölkerung ist bis zu einem gewissen Grad bisexuell, auch wenn die Bisexualität seltener ausgelebt wird

„46% der Männer hatten hetero- sowie homosexuelle Erfahrungen und reagierten sexuell auf beide Geschlechter“

 

4) WIE VIELE BISEXUELLE SIND UNTER UNS?

Es ist nach wie vor nicht völlig geklärt, wie viele Menschen als bisexuell bezeichnet werden können. Diesbezüglich gibt es unterschiedliche Auffassungen. Während einige Quellen behaupten, die Anzahl bisexueller Menschen würde abnehmen, zeigt eine Studie der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC aus dem Jahr 2013 eine steigende Tendenz bisexuell veranlagter Menschen (5,5% der Frauen und 2% der Männer).

Ménage à trois - Dreiecks Sex

5) WIE LEBEN BISEXUELLE MENSCHEN?

Die Konstellationen, in denen Bisexuelle leben können, sind unterschiedlich und vielfältig:

  • es kann ,entweder oder sein‘, dass heißt, entweder wird eine Beziehung und/oder Sexualität mit einem Mann ODER mit einer Frau gelebt
  • es geht aber genauso ,sowohl als auch‘, dass heißt, dass gleichzeitig Sexualität und/oder Beziehung mit einem Mann UND mit einer Frau gelebt wird
  • es könnte auch unterschieden werden zwischen Beziehung und Sexualität: zusätzlich zur partnerschaftlichen exklusiven Beziehung wird Sexualität auch mit anderen Partnern gelebt
  • eine ebenso typische Konstellation ist die Dreier- bzw. Vierer-Beziehung, in der einer der Partner mit mindestens zwei weiteren Beziehungspartnern unterschiedlichen Geschlechts emotional und/oder sexuell gebunden ist.
  • schließlich kann Bisexualität offen oder weniger offen gelebt werden. Einige Bisexuelle leben eine exklusive Homo- bzw. Heterobeziehung und ,verzichten‘ auf das Ausleben ihrer Bisexualität, dabei bleiben sie jedoch bisexuell ansprechbar. (6)

„Einige Bisexuelle leben eine exklusive Homo- bzw. Heterobeziehung und ,verzichten‘ auf das Ausleben ihrer Bisexualität, dabei bleiben sie jedoch bisexuell ansprechbar.“

 

6) BIPHOBIE – WAS IST DAS??

Feindlichkeit und Vorurteile gibt es leider nicht nur gegenüber Homosexuellen. Bisexuelle Menschen erfahren eine spezielle Form intersektionaler Diskriminierung. Experten nennen diese ,Biphobie‘ bzw. ,Bifeindlichkeit‘:

  • Ein besonderer Aspekt betrifft die sog. ,Unsichtbarkeit‘ von Bisexualität: Diese beginnt nämlich damit, dass ein*e Bisexuelle*r nicht an seinem*ihren Partner*in erkennbar ist. Ein gleichgeschlechtlicher Kuss wird als homosexuell empfunden, ein gegengeschlechtlicher als heterosexuell. Was übersehen wird dabei, ist dass der Betroffene bisexuell sein könnte. (7)
  • Dies ist schlimm genug. Häufiger wird Bisexualität  jedoch sogar von Lesben und Schwulen geleugnet, die behaupten, Bisexuelle würden bei der Angabe ihrer sexuellen Identität lügen.
  • Auch die Präsenz in den Medien ist extrem geringfügig bis nicht existent, wie eine Studie von Stonewall UK über die Hauptsendezeit der BBC zeigte. (8)
  • Hinzu kommt die verbreitete Meinung, dass bisexuelle Frauen besonders promiskuitiv und Männer eher feminin veranlagt seien.

7) BISEXUELLE STEREOTYPEN

Stereotypen im Bezug auf bisexuellen Menschen sind weit verbreitet. Hier eine kurze Auflistung:

– Durch die massive Verbreitung pornographisches Materials wird die Sexualisierung von Bisexualität vorangetrieben. In diesem Sinne findet eine übersexualisierte Darstellung von Bisexualität in den Medien statt, die nicht der Realität bisexueller Menschen entspricht.
– Auch das Vorurteil, dass bisexuelle Menschen ,gleichzeitig‘ sowohl einen männlichen als auch einen weiblichen Partner bräuchten – und damit ihre vermeintliche Tendenz ,polyamourös‘ zu leben – ist weit verbreitet.
– Schließlich hält sich bis heute der bifeindliche Vorwurf, dass Bisexuelle HIV unter Heterosexuellen verbreiten würden.

ABSCHLUßGEDANKE: EIN BISSCHEN BI SCHADET NIE!

Zum Abschluss der berühmte Satz aus dem Stern-Artikel von 2001: „Ein bisschen Bi schadet nie“. Dies darf gerne  als Aufforderung für alle Menschen verstanden werden, die ihre bisexuelle Veranlagung noch nicht gut genug kennen bzw. ausgelebt haben, sich doch zu trauen, es zu tun. Wie gesagt, schaden tut es nicht!

Bildquelle: © lassedesignen, © lemontreeimages / fotolia.com, Quellen:


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