Die „depressive“ Vagina

Schmerzen beim Sex?

Seit einiger Zeit, ganz genau seit der Ausstrahlung einer Episode der bekannten US-Serie ,Sex in the City‘, ist in den Medien immer wieder die Rede der sog. ,depressiven‘ Vagina. Was ist das?

Unter einer depressiven Vagina wird eine Reihe von Symptomen zusammengefasst, die von Juckreiz, Brennen, Schmerzen beim Wasserlassen bis hin zur Trockenheit in der Scheide variieren können. Warum die Vagina als ,depressiv‘ beschrieben wird, ist mir bis heute nicht klar bzw. finde ich diesen Begriff nicht angemessen. Schon eher würde ich von ,vernachlässigter‘ Vagina oder noch besser von wenig ,bewohnter‘ und wenig ,erotisierter‘ Vagina sprechen.

Warum wird die Vagina depressiv?

Die Gründe, weshalb Schmerzen, wie z. B. Juckreiz und Brennen, oder Trockenheit in der Scheide auftreten, sind unterschiedlich. Schmerzen in und/oder an der Scheide sind meistens eine direkte Konsequenz der Trockenheit der Scheide. Sex zu haben, wenn die Scheide nicht dafür bereit ist, das heißt, wenn sie nicht feucht genug ist, verursacht Mikroverletzungen in den Vaginalwänden. Die Vagina ist dann nicht mehr intakt. Sie wird dadurch anfälliger für verschiedene Krankheitserreger, die in einer unversehrten Vagina keine Chance hätten. Die Konsequenz sind wiederholte Pilzinfektionen und/oder z. B. Blasenentzündungen, die mit der Zeit chronisch werden.

Schmerzen in und/oder an der Scheide sind meistens eine direkte Konsequenz der Trockenheit der Scheide.

Warum ist die Vagina trocken?

Die Trockenheit selbst entsteht hauptsächlich:

  • Wenn die Frau nicht oder nicht ausreichend sexuell erregt ist
  • Wenn die Erregung beim Sex nachlässt, weil die Stimulation der Vagina nicht ausreichend erregend ist
  • Bei längerem Sex (Geschlechtsverkehr über 20 Min.)
  • Nach dem Höhepunkt der Frau
  • Wenn die Frau nur einen klitoralen mechanischen Erregungsmodus kennt, das heißt, wenn die Steigerung der Erregung ausschließlich auf hoher Körperspannung, Druck und Stimulation der Klitoris basiert. In einem solchen Fall wird die Vagina trotzt Erregung wenig feucht.
  • Wenn in der Menopause aufgrund der hormonellen Umstellung die Vagina insgesamt trockener wird, was aber nicht automatisch bedeutet, dass die Frau bei guter sexueller Erregung nicht ausreichend feucht genug werden kann, vorausgesetzt sie hat ihre Scheide gut erotisiert

Das Reiben des Penis in der eher trockenen Vagina verursacht dann jene Verletzungen, die sie anfällig für Infektionen machen. Das Gleiche kann auch passieren, wenn der Partner fast ausschließlich mit starker Körperspannung mechanische gefühllose Stösse beschert. Dieser Sex ist vielleicht ab und an interessant, aber nicht das, was eine ,erwachte‘ und ,erotisierte‘ Vagina sich auf Dauer wünscht.

Das Gleiche kann auch passieren, wenn der Partner fast ausschließlich mit starker Körperspannung mechanische gefühllose Stösse beschert.

Vernachlässigt eine Frau ihre Scheide bei der Selbstbefriedigung, baut sie viel Spannung beim Sex auf und/oder lässt sie Geschlechtsverkehr zu, auch wenn ihre Vagina nicht bereit dazu ist, sind das die Gründe, weswegen es zu den weiteren Beschwerden kommen kann.

Gründe für Solosex

Einen ,Gast‘ in der Scheide zu empfangen – d.h. Geschlechtsverkehr zu haben – heißt also nicht automatisch, dass die Vagina nicht vernachlässigt wird. Der ,Besuch‘ ist nicht per se eine Garantie gegen diese Symptome, wie im Netz oft propagiert wird. Leider ist häufiger das Gegenteil der Fall!

 

Einen ,Gast‘ in der Scheide zu empfangen – d.h. Geschlechtsverkehr zu haben – heißt also nicht automatisch, dass die Vagina nicht vernachlässigt wird.

Wenn die Vagina nicht bewohnt ist, das heißt, wenn die Frau nicht gelernt hat, lustvolle Empfindungen mit ihrer Scheide zu erleben und die entsprechenden physiologischen Reaktionen auszulösen – das Feuchtwerden und Steigerung der Erregung bis zu einer Entladung – wird diese Vagina trotz Sex sehr wahrscheinlich auf Dauer ,depressiv‘, das heißt, sie wird Beschwerden entwickeln wie verschiedene Pilzinfektionen, Blasenentzündungen oder andere chronisch-verlaufende Erkrankungen.

Das passiert vor allem Frauen, die beim Sex eher die äußerliche klitorale Stimulation bevorzugen und die Penetration dann einfach über sich ergehen lassen, weil diese einfach ,dazu gehört‘ oder weil der Partner es eben so will. Wenn sich die Vagina nicht proaktiv lustvoll beteiligt, ist tatsächlich sehr wahrscheinlich, dass sie depressiv wird bzw. sich einfach ,beschwert‘, weil sie nicht gut behandelt wird.

Der womanizer

Die Wechseljahre müssen nicht zum Wechsel der Vagina von ‚bewohnt’ zu ‚unbewohnbar’ führen: wenn eine Frau ihre Scheide vor der Menopause gut bewohnt und erotisiert hat, gut auf sie geachtet und gelernt hat, Erregung und Lust in der Penetration zu erleben, dann wird sie es auch nach den Wechseljahren weiter tun. Eventuell wird sie dafür sorgen, dass alles geschmeidig bleibt, indem sie sich mit einer guten Salbe eincremt, die dem Nachlassen der Östrogenproduktion entgegenwirkt. Eben genau so, wie wir unser Gesicht eincremen, damit sich die Falten in Grenzen halten!

Was tun?

Die beste Therapie gegen die oben beschriebenen Symptome ist eine proaktive Beschäftigung mit der eigenen Vagina, allein oder mit Partner*in:

  • Die eigene Scheide zu erforschen, ihre Räume zu erkunden, herauszufinden, was sie mag und erregt
  • Die Spannung beim Sex durch Atmung und Bewegung lernen zu modulieren, das Becken schwingen zu lassen, damit sich die Erregung im ganzen Körper verteilen und die Vagina gut durchblutet werden kann
  • Und zum Schluss: den Partner zu verführen, gefühlvoller und weniger angespannt beim Sex zu sein, mit seinem eigenen Körper verspielter und durchlässiger zu werden, mehr Ruhe statt Action ins Spiel zu bringen

Das ist der beste Weg, beschwerdefrei durchs Sex-Leben zu gehen. Also mehr Qualität statt Quantität!

Bild: © vladimirfloyd / fotolia.com


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