Sex, Orgasmen & Hellsehen – Wo Henriette Hell falsche Vorstellungen unterstützt

Über Sex, Orgasmen und Hellsehen

Vor einigen Tagen hat die Stern-Kolumnistin Henriette Hell ihr neues Buch „Erst kommen, dann gehen. Die Sexbibel fürs 21. Jahrhundert“ veröffentlicht. Schon zuvor hatte die junge Autorin ein Buch veröffentlicht, in welchem sie ihre gemachten Reiseerfahrungen mit ihrem Sexleben verbindet. Da Sie zurzeit ihr neues Buch vor allem in ihrer Kolumne bewirbt, gibt es ab und an Auszüge aus ihrem neuen Buch zu lesen. So veröffentlichte sie vor kurzem einen neuen Artikel mit dem Titel „Elf Dinge, die Männer endlich kapieren müssen, um Frauen im Bett glücklich zu machen“. Und der Titel ist Programm. Viele der Punkte sind auch recht sinnvoll. Allerdings habe ich mich an einigen Ansichten gestört und möchte mit diesem Artikel erklären, was Männer meiner Meinung nach definitiv nicht kapieren müssen.

Über Sex reden - Symbolfoto

Bessere Kommunikation! Über Sex reden

Wissen über Vorlieben

Besonders dem ersten Punkt, den sie nennt, stimme ich grundsätzlich nicht zu – zumindest einem Beispiel, das sie wählt. Dass Frauen nicht immer gefragt werden möchten, ob sie denn auch gekommen seien, ist definitiv verständlich. Allerdings schreibt Frau Hell danach: „Auch nervig: ‘Sag mir, was dich antörnt!‘ Ähm, also wenn du das nicht selbst weißt…“. Dieser Satz impliziert folgendes: Männer müssen (!) wissen, was ihre (Sex-)Partnerin anturnt, ohne, dass diese die Vorlieben explizit formulieren muss. Das bedeutet im Ergebnis, dass sie von Männern erwartet, hellseherische Fähigkeiten zu besitzen. Denn wie soll man etwas wissen, wenn man es nicht gesagt bekommt beziehungsweise nicht einmal Hinweise erhält?!

Unrealistische Erwartungen

Gerade in Sachen Sexualität – genauer: Sexualität der Frau – ist das eine nicht zu erfüllende Erwartung. Denn die Fantasien und Vorlieben, was frau also anturnt, können so dermaßen unterschiedlich sein, sodass mann gar nicht wissen kann, was SIE anturnt. Man kann Glück haben und das „Richtige“ machen oder eben auch nicht. Selbst bei der gleichen Frau kann sich der Wunsch nach Sexualität schon je nach Situation stark unterscheiden. Möchte sie hart rangenommen werden (Hells Punkt 7) oder hat sie eher Bock auf Slow-Sex? Natürlich kann man, wenn man die Sexvorlieben seiner Partnerin gut kennt, mindestens erahnen, was sie sich gegenwärtig wünscht. Das muss aber nicht selbstverständlich sein.

Symbolfoto - Erklimmt den Gipfel der Lust

Was ist eigentlich ein Orgasmus?

Orgasmen und Verantwortung

Außerdem geht Frau Hell mit diesem Satz von einer Prämisse aus, die meiner Meinung nach mal aus den Köpfen aller Frauen gelöscht werden sollte. Denn aus ihrem Satz lässt sich herauslesen: „Männer sind dafür verantwortlich, dass wir Frauen einen Orgasmus bekommen.“ Alleine schon der letzte Teil der Überschrift „(…) um Frauen im Bett glücklich zu machen“ sagt genau das aus. Die Sprache, die Frau Hell nutzt, zeigt eine passive Rolle von Frauen und eine aktive Rolle von Männern („Frauen glücklich machen“) auf. Bedeutet im Klartext: Männer sind für das sexuelle Wohlergehen verantwortlich. Der Mann muss wissen, was frau möchte, ohne, dass sie ihm das erzählt und dann danach dementsprechend performen. Meiner Meinung nach ist zumindest der erste Teil dieser Aussage einfach verkehrt. Denn: Für seinen eigenen Orgasmus ist jeder selbst verantwortlich. Man weiß selbst am besten, was einen anturnt und gefällt. Und somit sollte man versuchen, diese Vorlieben beim Sex miteinzubringen. Jedoch ohne den anderen zu etwas zu zwingen, was er definitiv nicht möchte. Sex ist da schon etwas sehr egoistisches.

Höhepunkt oder kein Orgasmus

Die Orgasmuslüge

Sexuelle Kommunikation

Denn Frau Hell hat ja auch Recht. Jeder möchte beim Sex gerne auf seine Kosten kommen. Damit das passiert, muss man es seinem Partner jedoch auf irgendeine Weise kommunizieren. Natürlich kann es ziemlich abturnend sein, wenn der Partner während des Vögelns immer irgendwelche Fragen stellt. Man kann seinem Gegenüber ja auch durch Bewegungen und Geräusche mitteilen, was man möchte oder eben auch nicht. Und man sollte ehrlich dabei sein. Denn wenn eine Frau nämlich einen Orgasmus vortäuscht, dann wird der Mann denken, dass er irgendwas richtig gemacht hat, auch wenn gerade das absolut langweilig war. Und die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, dass er das Gleiche nächste Mal wieder versuchen wird – er hatte damit beim letzten Mal ja schließlich Erfolg. Deswegen schießt Ihr Euch mit einem vorgetäuschten Orgasmus gewissermaßen auch selbst ein Eigentor.

Einseitige Kommunikation?

Begreift man Sex beispielsweise wie der deutsche Sexualpsychologe Christoph Joseph Ahlers als intimste Form von Kommunikation zwischen zwei Menschen, dann wäre befriedigender Sex für beide Parteien nach der Vorstellung von Frau Hell unmöglich beziehungsweise Glückssache. Denn wenn höchstens nur eine von zwei Personen (der Mann) Ihre Wünsche dem anderen mitteilt, dann findet keine gegenseitige Kommunikation statt. Bedeutet: Wenn Frauen uns nicht auf irgendeine Weise mitteilen, was sie anturnt, dann können wir das auch nicht erfüllen – Punkt.
Zusammenfassend heißt das:

  1. Ihr solltet – sofern Ihr Sex nach Eurer Vorstellung haben wollt – Eurem Sexpartner irgendwie (!) mitteilen, was Euch gefällt. Glaubt es oder nicht: Das erhöht die Wahrscheinlichkeit ungemein, dass Eure Vorlieben beim Sex auch einbezogen werden.
  2. Ihr solltet Euch bitte endlich von dem Gedanken lösen, dass Männer für Euren Orgasmus verantwortlich sind. Wir leben in einem mehr oder weniger emanzipierten Land, und Frau Hell trägt ihre Tipps auch sehr selbstbewusst vor. Deswegen kann ich noch weniger verstehen, wieso gerade bei diesem Thema die Verantwortung auf den Mann übertragen werden soll. Wenn Ihr etwas haben möchtet, was Ihr von alleine (!) nicht bekommt, dann müsst Ihr Euch das holen! Kommunikation hilft dabei – garantiert. 😉

Das ist meine Meinung. Macht Euch ansonsten ein Bild einer anderen Meinung, beispielsweise indem Ihr Frau Hells neues Buch lest oder schreibt mir Eure eigene Meinung zu diesem Thema in die Kommentare.

Bild: © Foto-Ruhrgebiet, © MORO / fotolia.com


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