Beitragsserie 1 – Sexualwissenschaftler Dr. Ahlers über Sex als Sprache

Sex im Bett

Menschen, die sich über einen langen Zeitraum mit einem Themengebiet beschäftigen, reifen mit der Zeit zu Experten heran. Wir fragen sie immer wieder um Rat, wenn es inhaltlich um ihren Bereich geht und wir nicht weiterwissen. In der Sexualität sind diese Experten sehr gefragt, weil jeder Mensch sich mit dem Thema beschäftigt und es sehr komplex werden kann. Solche Sexperten haben in der Regel sehr wichtige Dinge mitzuteilen. Sie helfen uns selbst, einen anderen Blickwinkel auf das Thema Sexualität zu entwickeln und unser Verständnis zu schärfen. Aus diesem Grund haben wir hier für den ORION Blog Auszüge aus einem langen Interview von einem der bekanntesten Sexualwissenschaftler und Klinischen Sexualpsychologen Deutschlands. Dr. Christoph Joseph Ahlers ist mit seiner Praxis in Berlin ansässig. In seinem Buch „Himmel auf Erden und Hölle im Kopf – Was Sexualität für uns bedeutet“, aus dem dieser Auszug stammt, erklärt er in einem sehr ausführlichen Interview über verschiedene Fragen zum Thema Sex auf. Darüber hinaus reichert er die Theorie mit praktischen Beispielen aus seinem beruflichen Alltag an.

Über Sex reden - Symbolfoto

Man kann auch über Sex sprechen…

Sex – Vom Himmel auf Erden …

In den kommenden Wochen werden wir hier über den ORION Blog einige Ausschnitte aus dem sehr spannenden Buch von Dr. Ahlers veröffentlichen. Falls Ihr darüber hinaus an mehr Inhalt interessiert seid, könnt Ihr das Buch natürlich auch online bestellen oder im ausgewählten Buchhandel erstehen. Nun viel Spaß bei unserem ersten Auszug aus dem Kapitel „Erlösung durch Überwindung von Vereinzelung – Sex als Kommunikation“. Im Kontext reden der Journalist und Dr. Ahlers über das Thema Sex als Sprache.

Frage: „Lernt man denn diese Sprache mit jedem Partner immer wieder neu? Dadurch, dass man sich einschwingt , zuhört und eben nicht ‚weiß‘, wie es geht?

Ahlers: „Ja, bei jedem neuen Partner gibt es auch in körpersprachlicher und sexueller Hinsicht ein neues Kennenlernen. Automatismen, auf stereotype Art sexuell in Kontakt zu treten, sind in aller Regel Ausdruck von Verunsicherung, Selbstunsicherheit und einem Gefühl von Hilflosigkeit und Überforderung. Und zwar sowohl bezogen auf die eigenen Bedürfnisse als auch auf die des Gegenübers. Es ist der Ausdruck einer Unfähigkeit, den anderen zu sehen, zu hören und zu erfahren, was er oder sie eigentlich möchte. Wer er oder sie letztlich ist. Beim Sex geht es ja nicht darum, sich gegenseitig zu bedienen, es sich zu ‚besorgen‘, sondern darum wahrzunehmen, der der andere ist, diese Einsicht im sexuellen Verhalten zu würdigen und zum Ausdruck zu bringen.

Gut im Bett?

Wie wird man eigentlich „gut im Bett“?

Sexuelle Selbstwahrnehmung

Das Gegenteil davon ist das, was ich ‚Porno-Posing‘ nenne und was häufig von unerfahrenen Personen exerziert wird. Das Nachturnen einer sexuellen Choreografie, die durch Internetpornografie erworben wurde. Und zwar mit der Vorstellung: So geht das! So muss man das machen! Wenn ich das so mache, dann hab ich’s drauf, dann produziere ich ‚guten Sex‘, bin ich ein ‚toller Lover‘ oder eine ‚geile Braut‘. Mache ich das nicht so und beherrsche die einzelnen Praktiken und Stellungen nicht, bin ich auch nicht ‚gut im Bett‘, dann ist der Sex ’schlecht‘, und ich bin ein Loser oder eine Versagerin.

Intimität herstellen

Bei einem solchen Ansatz fehlt es am Wesentlichen, an der Substanz dessen, worum es im Sexuellen eigentlich geht. Oder besser, gehen kann. Nämlich ums Hinschauen und Zuhören, im Verbalen wie im Körpersprachlichen. Das wäre der Schlüssel. Aber das kann ich nur, wenn mein Selbstwertgefühl das hergibt. Und mir eine solche Öffnung erlaubt. Wenn ich selbstunsicher bin, die Befürchtung habe, nicht zu genügen, oder wenn ich glaube, mich in sexueller Hinsicht bewähren oder beweisen zu müssen, dann fange ich an zu agieren. Dann tue ich nicht das, was mir guttut oder dem anderen gefallen könnte, sondern ich arbeite sexuelle Strickmuster ab. Pornografie, die fiktionale Darstellung von Sexualität, führt genau das vor: die unverwandte, weil beziehungslose sexuelle Interaktion in Form von genitaler Stimulation zur Provokation von Erregung. Der gesamte Kontakt ist auf Orgasmusproduktion reduziert. Auf diese Weise wird jede Intimität verlässlich vermieden.

Falls Ihr mehr über die Arbeit von Dr. Ahlers erfahren möchtet, besucht seine Website!


'Beitragsserie 1 – Sexualwissenschaftler Dr. Ahlers über Sex als Sprache' hat 1 Kommentar

  1. 28. Januar 2018 @ 02:49 Stefan

    Natürlich ist Sex wie eine Sprache. Je länger man übt, desto besser geht es. Und vor allem man lernt auch den Partner viel besser kennen. Weiss wie man den Partner anfassen muss, wo seine erogenen Zonen sind und was ihn/sie geil macht. Der Sex bei einem One night stand ist völlig was anderes als wenn ich nach 3 Jahren geilen und leidenschaftlichen Sex mit meiner jetzigen Partnerin habe. Es ist allerdings sehr wichtig, dass man darüber spricht was man mag und was nicht. Es gibt nichts ärgerliches als wenn man in einer Partnerschaft nicht über sein Verlangen und seine Wünsche spricht. Und es ist wichtig von einander zu erfahren bzw. zu wissen was man mag. Problematisch ist es dann, wenn die Neigungen bzw. die Wünsche von beiden nicht wirklich übereinstimmen. Wenn der eine auf Bondage steht und der andere auf Kuschelsex, dann funktioniert dies nicht lange. Die Bedeutung ses Sex in einer Beziehung, Partnerschaft und Ehe wird meiner Meinung unterschätzt. Es ist der wichtigste Teil. Bei einem ausgewogenen Sexleben geht der Rest viel einfacher. Das soll nicht heissen, dass die anderen Bereiche nicht auch wichtig sind. Nur wenn´s im Bett nicht klappt, dann geht die Beziehung früher oder später auseinander. Sexuell auf der selben Linie sein und die gleichen Bedürfnisse teilen ist das wichtigste. „Die gleiche Sprache sprechen“


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