Wie ich auszog, um die Kunst der Tantramassage zu lernen

Handtücher, Augenmaske, Mandelöl, Federn, Folie, Kissen und noch unzählige andere Kleinigkeiten. Die Liste der Dinge, die auf der Mitbringliste stehen, ist sind lang. Als ich alles zusammen habe, ist die große Tasche voll. Dazu kommen noch die üblichen Reiseutensilien, die ich für drei Tage brauche. Ich habe drei Tage Abenteuer vor mir. Abenteuer und hoffentlich erleuchtende Momente. Voller Vorfreude mache ich mich auf den Weg. Es geht Richtung Ostsee. Als ich endlich ankomme, bin ich das Gegenteil von entspannt, weil ich wegen der ewigen Baustellen auf der Autobahn viel zu spät dran bin. Eigentlich wollte ich mich in Ruhe einrichten und die anderen kennenlernen. Die anderen, dass sind vier Männer und drei Frauen, die mit mir zusammen an diesem Wochenende die heilige Kunst der Tantramassage lernen und erfahren möchten.

Tantra in einer Gruppe: Der Sprung ins kalte Wasser

Aber nix da mit Kennenlernen. Ich habe es eilig. In zehn Minuten muss ich im Seminarraum sein. Die erste Tasche aus dem Auto gewuchtet, da steht plötzlich ein Mann vor mir. Und mich überfällt schlagartig die Erkenntnis, dass ich hier fremden Menschen ganz nah kommen werde. Und sie mir. Schlagartig überfällt mich dabei ein Fluchtimpuls. Denn ich habe zur Einführung in das Thema ja nicht einfach eine Massage in einer Praxis gebucht, wo ich mich den Händen einer erfahrenen Masseurin hätte hingeben können. Nein, ich springe ins kalte Wasser. Denn dies hier ist gleich ein ganzes Wochenende unter der Anleitung einer solchen Masseurin. Und das in einer Gruppe. Mit Anleitung meine ich, dass man uns zeigen wird, was wir Teilnehmer und Teilnehmerinnen miteinander machen sollen.

Und so gebe ich dem Fluchtimpuls natürlich keine Chance. Natürlich bleibe ich. Denn ich will ja endlich herausfinden, was es mit diesem Tantra auf sich hat. Mich treibt die Neugier, sowohl privat als auch beruflich. Wie fühlt sich das an, auf diese Weise berührt zu werden? Wie fühlt es sich an, andere so zu berühren? Stimmen die Vorurteile, die ich habe? Meine Erfahrungen mit Tantra sind bisher eher bescheiden. Es gab in letzter Zeit einige Gespräche und immerhin den Besuch eines Tantra-Kreises. Dabei habe ich gemerkt, dass sich das Thema auch nicht so einfach greifen lässt. Sex ist nur ein ganz kleiner Teil des großen Ganzen und die Tantramassage wiederum eine besondere Form. Dabei wird zudem noch zwischen der spirituell-heilenden und der erotischen Massage unterschieden, wie ich erfahre. Was wir hier an diesem Wochenende lernen werden, ist die erst genannte Form. Ich habe mir das zwar alles vorher durchgelesen. Trotzdem weiß ich nicht so ganz genau, was auf mich zukommt. Was ich jedoch weiß ist, dass der ganze nackte Körper miteinbezogen wird. Na ja, nicht ganz. Aber ich will nicht vorweg greifen. 🙂

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Also ab mit dem Gepäck aufs Zimmer, in die Jogginghose geschlüpft und hoch in den Seminarraum. Acht gespannte Gesichter schauen die Seminarleiterin an. Und ich schaue mir die Menschen dazu an und höre bei der Vorstellungsrunde neugierig zu. Die Männer haben teilweise schon an solchen Seminaren teilgenommen oder zumindest schon einmal eine professionelle Tantramassage empfangen. Zwei der Frauen befinden sich selber in der Ausbildung zur Tantra-Masseurin, die dritte ist Schamanin. Ich bin somit die einzige Ahnungslose. Immerhin wissen die anderen, was sie machen, denke ich. Das ist auf jeden Fall von Vorteil.

An diesem ersten Abend bekommen wir einen visuellen Vorgeschmack. Ich hätte nicht gedacht, dass ich fast zwei Stunden bei etwas zuschauen kann, ohne dabei vor Langeweile umzufallen. Im Theater fällt mir das Stillsitzen schon schwer. Und da wird wenigstens noch geredet und ab und zu herum geschrien. Naja, und Nackte gibt es auch zunehmend auf der Bühne zu sehen. Darüber hat sich erst neulich jemand beschwert. Aber tatsächlich ist dieses Schauspiel hier ein ungeahntes Vergnügen, dem ich mich innerlich nicht entziehen kann. Zwei nackte Menschen, die sich ganz selbstverständlich vor dem Publikum bewegen. Geübte Hände streifen über einen weiblichen Körper, dem dies sichtlich gefällt. Die Hände streicheln und massieren gleichzeitig und ich bekomme eine Ahnung von dieser heilenden, spirituellen Wirkung. Beide Körper beginnen hier und da zu zucken. Das sei die fließende Energie, erklärt uns unsere Lehrerin, während sie die einzelnen Handlungen kommentiert.

Es muss wunderbar sein, denke ich. Es sieht so unglaublich schön und harmonisch aus. Gleichzeitig schleichen sich Zweifel in meinen Kopf. Schließlich bin ich Perfektionistin. Morgen soll ich das selber machen. Kann ich einen fremden Menschen auf diese Weise berühren?

Sanfte Vorbereitungen stimmen ein

Sehr früh am nächsten Morgen geht es weiter. Die nächste Hürde, denn ich bin keine Frühaufsteherin. Wir beginnen mit Yoga und einer Meditation. Tatsächlich bin ich beim anschließenden Frühstück erstaunlich wach und voller Tatendrang. Und dann geht es los. In weiser Voraussicht werden die Paare zusammengestellt. Mein Partner hat bereits Erfahrungen. Aber die helfen ihm nichts, denn in der ersten Runde sind wir Frauen aktiv. Puh, es ist ganz schön warm in dem Raum. Das muss auch so sein, denn gleich fallen die Hüllen. Also auch meine. Schritt für Schritt werden wir angeleitet.

  • Die Shaktis, das sind wir Frauen, laden unsere Shivas, die Männer, zur Massage ein.
  • Wir halten uns an den Händen und sehen uns in die Augen. Mein Shiva ist mir auf Anhieb sympathisch. Puh, Glück gehabt. Aber vielleicht liegt das auch an dem tiefen Blick in die Augen.
  • Dann entkleiden wir die Männer, indem wir den Lungi, das ist das traditionelle Tuch, langsam über den Körper gleiten lassen. Ganz langsam.
  • Wir sensibilisieren die Haut mit unterschiedlichen Materialien. Eine Feder, eine Perlenkette, ein Massagehandschuh gleiten in Zeitlupe über jeden Zentimeter Haut.

Die Berührung von Körper und Seele

Und dann beginnt die Ölmassage. Spätestens jetzt fällt auch das Tuch der massierenden Person. Denn nicht nur verteilt sich das Öl am eigenen Körper – und wir gehen wirklich verschwenderisch mit dem Öl um. Nein, so eine Massage ist auch körperlich anstrengend! Ich komme ins Schwitzen. Jeder Körperteil wird nacheinander von oben bis unten leichter oder kräftiger massiert. Beginnend am Rücken über die Arme, den Po, die Beine und die Füße. Und das ist erst einmal nur die Rückseite. Die Bewegungen verlaufen fließend, an den Händen und Füßen wird die Energie in einer schwungvollen Bewegung herausgestrichen. Wir sind ja schließlich spirituell unterwegs. Und es passt auch ganz einfach in diese meditative Art der Berührung.

Jeder weitere Schritt wird mit sanfter Stimme genau erklärt. Manchmal schaue ich mich um, weil ich den Faden verloren habe oder gucken möchte, was die anderen Frauen machen. Und ich frage mich, ob ich auch so aussehe. Versunken sitzen sie neben ihrem Shiva und widmen hingebungsvoll jedem Teil seines Körpers ihre volle Aufmerksamkeit. Es hat etwas Magisches. Und ich selber merke, wie sehr mich diese Tätigkeit entspannt. Ich bin voll konzentriert und dabei weit weg mit meinen Gedanken gleichzeitig.

Nach einer kleinen Pause dürfen sich unsere Shivas umdrehen. Wer Sorge hat, mit einer Erektion aufzufallen, wurde schon im Vorfeld beruhigt. Das könne eben vorkommen und sei ganz normal. Und warum auch nicht? Diese Tantramassage ist zwar nicht erotischer Natur, dennoch berühren wir ja auch ganz bewusst erogene Bereiche. Das ist auch der Unterschied zu den Massagen, die ich bisher kennengelernt habe. Kein Körperteil wird zwischendurch abgedeckt und die Lust hat hier ihre ganz eigene Berechtigung. Das Kopfkino lässt sich ohnehin nicht abstellen. Also einfach loslassen und genießen.

Der womanizer

Wir setzen uns hinter unseren Shiva und nehmen den Kopf in beide Hände. Die Haare, das Gesicht, die Ohren. Langsam arbeiten wir uns Richtung Oberkörper vor. Und wieder streicheln und massieren wir Schritt für Schritt in unendlicher Ausdauer jede einzelne Körperpartie. Mit den Händen, den Unterarmen und am Schluss sogar mit dem ganzen Oberkörper. Zuletzt legen wir behutsam eine Hand auf das Herz und eine auf das Schambein. Auch das ist ein eindeutiger Unterschied zu bisherigen Massagen. Anschließend bedecken wir den Körper wieder mit dem Tuch und zwar genauso langsam wie vorher beim Entkleiden. Der Shiva darf nun etwas ruhen, etwas für sich sein und den Berührungen nachspüren, bevor wir uns über unsere Erfahrungen austauschen.

Später, nach dem Mittagessen geht es in die Rückrunde und wir Frauen dürfen genießen. Diese Mal werden die Männer Schritt für Schritt angeleitet. Und es ist herrlich! Kein Druck, keine Erwartungen. Nur spüren und loslassen. Die Lust darf ganz ungehemmt durch meinen Körper fließen und ich darf das mit wohligen Lauten auch zeigen. Bei einer Wellness-Massage wäre das doch eher unpassend. Normalerweise werden die Brüste dabei auch großflächig umgangen. Dabei gehören sie doch auch zu unserem Körper. Anders bei der Tantramassage. Hier werden sie mit einbezogen. Und das sehr sanft und wohltuend. Besonders gut gefällt mir ein Hinweis unserer Lehrerin. Sie bittet die Männer mit ruhiger Stimme, sich den Brustwarzen ganz langsam zu nähern. Denn den direkten Griff würden Frauen durchaus kennen. Wie wahr. Und auch unsere Massage endet mit einer Hand auf dem Herzen und einer auf dem Schambein. Wer das nicht möchte, hatte im Vorgespräch die Möglichkeit, dies zu äußern.

Yoni Massage

Die Yoni-Massage

Fehlt da nicht etwas?

Ups, habe ich da etwa etwas vergessen? Eine klitzekleine Kleinigkeit? Bei einer Tantramassage denken viele an eine Intimmassage von Yoni und Lingam – die tantrischen Bezeichnungen für das weibliche und das männliche Geschlechtsorgan -, an Orgasmen und ekstatische Lust. Ja, das kann auch durchaus sein. In diesem Workshop jedoch konzentrieren wir uns ganz auf die Berührung des restlichen Körpers. Für die Yoni– und Lingam-Massage gibt es ein eigenes Wochenende. Und ich muss sagen, das ist für mich auch ganz gut so. Denn allein das, was ich hier lerne und eben auch selber erfahre, ist genug für ein Wochenende. Immerhin dauert eine einzelne Massage schon fast zwei Stunden. Später höre ich von den anderen Frauen, dass die Massagen woanders in kleinere Einheiten aufgeteilt und einzeln nacheinander geübt werden. Eine ganze Massage in einem Rutsch ist wohl eher unüblich. Mir hat es aber genauso, wie es war, gut gefallen. Und ich werde tatsächlich für meinen Mut gelobt, was mich sehr freut. Denn im Gegensatz zu Bemerkung wie „Du als Sexologin müsstest doch für alles offen sein“ werden damit auch meine Grenzen und Befindlichkeiten anerkannt.

Was ich anderen mitgeben möchte

Das Wochenende war wunderbar und ich möchte diese Erfahrung nicht missen. Ich habe tolle Menschen kennengelernt und neue Erfahrungen gesammelt. Es ist einfach eine ganz besondere Art zu berühren und berührt zu werden. Mein Leben hat das nun allerdings nicht auf den Kopf gestellt und ich weiß auch nicht, ob ich in diesem besonderen Setting noch einmal teilnehmen würde. Schließlich muss es mit den zusammengewürfelten Partnern und Partnerinnen passen. Frauen scheinen da aber insgesamt etwas zurückhaltender zu sein, was sich für mich auch in der ungleichen Geschlechterverteilung bei der Anmeldung zu dem Workshop schon ausdrückte.

Anders ist das sicherlich für Paare, die gemeinsam einen solchen Workshop besuchen. Durch die Art und Weise, sich miteinander zu beschäftigen, sich zu berühren, anzuschauen und anschauen zu lassen, kann eine neue Form der Intimität entstehen. Weg vom Leistungs- und Performancedruck hin zu mehr Achtsamkeit und Sensibilität. Aufeinander achten, in sich hineinspüren. Gerade dieses Anschauen und Angeschaut werden allerdings ist für viele Menschen schon eine besondere Herausforderung. Und das auch noch zusammen mit fremden Menschen in einem Raum. Ich habe mit Frauen gesprochen, die sich selber nicht einmal im Spiegel betrachten mögen. Deswegen verstehe ich Vorbehalte durchaus. Wer sich daher nicht traut, sollte seine oder ihre Grenzen respektieren. Anderseits ist gerade dieser Rahmen eine hervorragende Möglichkeit, sich aus dem inneren Schneckenhaus herauszuwagen. Denn alle anderen Teilnehmer und Teilnehmerinnen sind schließlich auch ganz normale Menschen mit ihren ganz eigenen Körpern. Wer Lust hat und neugierig ist, den oder die kann ich daher nur ermuntern!

Zubehör für eine erotische Ganzkörpermassage findet Ihr natürlich im ORION Onlineshop.

Bild: © Maygutyak / fotolia.com


'Wie ich auszog, um die Kunst der Tantramassage zu lernen' hat 2 Kommentare

  1. 22. Januar 2018 @ 12:07 Heike von A.

    Liebe Anja
    Das hört sich wunderbar an. Ich habe selbst auch vor mich mit Tantra stärker zu beschäftigen. Ich liebe es zu massieren und massiert zu werden. Die Entspannung tut so gut, beiden. Ich würde mich freuen wenn Du mir schreiben könntest wohin ich mich für so einen Workshop wenden kann.
    Ich danke Dir für deinen Bericht

    ————————————————-
    ##Von der Redaktion bearbeitet##

    Wir möchten Euch bitte, hier keine vollständigen Namen zu veröffentlichen.

    Das ORION Blog-Team

  2. Sexpertin Anja Drews

    25. Januar 2018 @ 14:38 Sexpertin Anja Drews

    Liebe Heike,

    diese Art von Berührung ist tatsächlich etwas ganz Besonderes und mit einer Wellnessmassage kaum vergleichbar. Es werden doch auch noch andere Sinne angesprochen und Energien geweckt. Ich kann das gar nicht so genau beschreiben. Für Paare finde ich das auf jeden Fall eine wunderbare Möglichkeit, sich auf eine neue Weise nahe zu kommen und eine besondere Form der Intimität zu schaffen.

    Mittlerweile gibt es viele Anbieter. Oft sind es Wochenend-Workshops mit Übernachtung, so dass auch weiter entfernte Angebote gut wahrgenommen werden können. Dann habt ihr eine richtige kleine Auszeit. Schau einfach, wessen Webseite dich anspricht und wem du vertrauen kannst. Ich war bei meiner Kollegin Moraya Kraft, bei der ich mich sehr gut aufgehoben gefühlt habe.

    Lieben Gruß
    Anja


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