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„Orgasmus 2.0“: Ein Workshop unter Frauen

„Orgasmus 2.0“: Ein Workshop unter Frauen

„Orgasmus 2.0“: Ein Workshop unter Frauen

90 – 60 – … Das mag manch einen an Traummaße erinnern. Im sexuellen Miteinander sind es aber eher ernüchternde Zahlen: Umfragen zufolge kommen beim Sex gut 90 Prozent der Männer zum Orgasmus, während nur knapp über 60 Prozent der Frauen das Gleiche von sich behaupten können. Einer Forsa-Umfrage im Auftrag von ORION zufolge nutzen 20 Prozent der Frauen Lovetoys, weil sie sonst nur schwer oder gar nicht zum Orgasmus kommen. Und eine ORION Blog-Umfrage hat ergeben, dass 40 Prozent der Frauen „ab und zu“ einen Orgasmus vortäuschen, 13 Prozent tun es „öfter“ und 4 Prozent sogar „regelmäßig“.

Grund genug, um einmal nur unter Frauen über dieses – in unseren Augen brisante – Thema zu sprechen. Also lud ORION JournalistInnen, MeinungsbildnerInnen und InfluencerInnen ins Yogaloft Hamburg ein. 4 Stunden lang drehte sich alles ums Thema „Orgasmus 2.0 – Jetzt kommt die Frau“. ORION hat sich hierfür auch bekannte Unterstützung geholt: Heike Kleen, die im „Tage-Buch“ unterhaltsam von den erstaunlichen Vorgängen im weiblichen Körper erzählt und auf Spiegel Online eine tabulose Serie über die verschiedensten Aspekte der Weiblichkeit führt, führte durch den Workshop und auch durch die rege Diskussion über das Wieso, Warum, Weshalb der sogenannten Orgasm Gap und ihre Lösungsmöglichkeiten. Dabei fing es schon damit an, dass wir das weibliche Geschlechtsteil erfahrungsgemäß nur schwer und wenn dann meistens in negativer Konnotation benennen können. Während das beste Stück des Mannes für gewöhnlich im Sprachgebrauch positiv repräsentiert ist und im Zweifel ganz einfach „Penis“, gern aber auch Prinzenrolle oder Fleischrakete genannt wird, sind die Begrifflichkeiten für das weibliche Gegenstück weitaus negativer behaftet. Übrigens nicht nur in Deutschland, wie wir lernten: Während die Jungs in einigen Teilen Österreichs eine Pracht haben, müssen sich Mädchen mit der Scham begnügen. Die Frage in die Runde der Teilnehmerinnen ergab auch, dass wir Frauen mit unserem Geschlechtsteil im Kopf eher etwas Negatives verbinden als mit dem Geschlechtsteil des Mannes.

Es gab viel zu besprechen, viel zu ergründen, ja, es wurde streckenweise nahezu philosophisch. Und historisch, als Susanne Gahr von ORION auch noch antike Vibratoren aus dem frühen 20. Jahrhundert präsentierte, die offiziell ausschließlich in die Hände von Ärzten gehörten – und zwar um die Frauen von ihrer Hysterie zu heilen.

Unser Fazit: Zum Glück sind wir hinsichtlich der Vibratoren dieser Tage schon ein ganzes Stück weiter. In Sachen Orgasmus gilt es aber noch eindeutig die Lücke zwischen Mann und Frau zu schließen. Wie? Eine Patentlösung fanden wir nicht. Mehr Selbstbewusstsein für die eigene und individuelle Schönheit, Verbesserung des weiblichen Selbstbildes und der eigenen Meinung gegenüber ihrem einzigartigen Geschlechtsorgan, bessere Kommunikation zwischen Mann und Frau, mehr Wissen darüber, was uns selbst gefällt, Masturbation zur Steigerung der Orgasmusfähigkeit (und Libido), aufgeschlossener gegenüber Lovetoys sein, neugieriger gegenüber den Facetten der Sexualität werden… die Liste potenzieller Lösungen war lang. Und wir hätten zweifellos noch länger darüber diskutieren und philosophieren können, kamen dann aber doch zu dem Schluss, dass das jede Frau für sich selbst herausfinden muss – und zwar mit der Portion Selbstbewusstsein, die ihrer Weiblichkeit gerecht wird. Schließlich ist die Vulva „ein Wunderwerk“, wie eine der Teilnehmerinnen es treffend formulierte.